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Valerio:
So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft
werden.
Leonce:
Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.
Valerio:
So wollen wir zum Teufel gehen.
Leonce:
Ach der Teufel ist nur des Contrastes wegen da, damit wir begreifen
sollen, daß am Himmel doch eigentlich etwas sei. (Aufspringend.) Ah
Valerio, Valerio, jetzt hab ichs! Fühlst du nicht das Wehen aus Süden?
Fühlst du nicht wie der tiefblaue glühende Aether auf und ab wogt, wie
das Licht blitzt von dem goldnen, sonnigen Boden, von der heiligen
Salzfluth und von den Marmor-Säulen und Leibern? Der große Pan
schläft und die ehernen Gestalten träumen im Schatten über den
tiefrauschenden Wellen von dem alten Zaubrer Virgil, von Tarantella und
Tambourin und tiefen tollen Nächten, voll Masken, Fackeln und
Guitarren. Ein Lazzaroni! Valerio! ein Lazzaroni! Wir gehen nach
Italien.
Vierte Scene
Ein Garten. Prinzessin Lena im Brautschmuck. Die Gouvernante.
Lena:
Ja, jetzt! Da ist es. Ich dachte die Zeit an nichts. Es ging so hin, und auf
einmal richtet sich der Tag vor mir auf. Ich habe den Kranz im Haar -
und die Glocken, die Glocken!
(Sie lehnt sich zurück und schließt die Augen.)
Sieh, ich wollte, der Rasen wüchse so über mich und die Bienen
summten über mir hin; sieh, jetzt bin ich eingekleidet und habe Rosmarin
im Haar. Gibt es nicht ein altes Lied:
Auf dem Kirchhof will ich liegen
Wie ein Kindlein in der Wiegen
Gouvernante:
Armes Kind, wie Sie bleich sind unter Ihren blitzenden Steinen.
Lena:
O Gott, ich könnte lieben, warum nicht? Man geht ja so einsam und tastet
nach einer Hand, die einen hielte, bis die Leichenfrau die Hände
auseinandernähme und sie jedem über der Brust faltete. Aber warum
schlägt man einen Nagel durch zwei Hände, die sich nicht suchten? Was
hat meine arme Hand gethan? (Sie zieht einen Ring vom Finger.) Dieser
Ring sticht mich wie eine Natter.
Gouvernante:
Aber - er soll ja ein wahrer Don Carlos sein.
Lena:
Aber ein Mann -
Gouvernante:
Nun?
Lena:
Den man nicht liebt. (Sie erhebt sich.) Pfui! Siehst du, ich schäme mich. -
Morgen ist aller Duft und Glanz von mir gestreift. Bin ich denn wie die
arme, hülflose Quelle, die jedes Bild, das sich über sie bückt, in ihrem
stillen Grund abspiegeln muß? Die Blumen öffnen und schließen, wie sie
wollen, ihre Kelche der Morgensonne und dem Abendwind. Ist denn die
Tochter eines Königs weniger, als eine Blume?
Gouvernante:
(weinend) Lieber Engel, du bist doch ein wahres Opferlamm.
Lena:
Ja wohl - und der Priester hebt schon das Messer. - Mein Gott, mein
Gott, ist es denn wahr, daß wir uns selbst erlösen müssen mit unserm
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