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Zeit, mein Hemd anzuziehen, als Todtenhemd. Hätte ich nun nicht
gescheidter gethan, ich hätte mein Bündel vom Stecken gehoben und es
in der ersten besten Kneipe verkauft, und hätte mich dafür betrunken und
im Schatten geschlafen, bis es Abend geworden wäre, und hätte nicht
geschwitzt und mir keine Leichdörner gelaufen? Und Prinz, jetzt kommt
die Anwendung und die Praxis. Aus lauter Schamhaftigkeit wollen wir
jetzt auch den inneren Menschen bekleiden und Rock und Hosen
inwendig anziehen. (Beide gehen auf das Wirthshaus los.) Ei du lieber
Pack, welch ein köstlicher Duft, welche Weindüfte und Bratengerüche!
Ei ihr lieben Hosen, wie wurzelt ihr im Boden und grünt und blüht und
die langen schweren Trauben hängen mir ins Maul und der Most gährt
unter der Kelter. (Sie gehen ab.)
(Prinzessin Lena, die Gouvernante kommen.)
Gouvernante:
Es muß ein bezauberten Tag sein, die Sonne geht nicht unter, und es ist
so unendlich lang seit unsrer Flucht.
Lena:
Nicht doch, meine Liebe, die Blumen sind ja kaum welk, die ich zum
Abschied brach, als wir aus dem Garten gingen.
Gouvernante:
Und wo wollen wir ruhen? Wir sind noch auf gar nichts gestoßen. Ich
sehe kein Kloster, keinen Eremiten, keinen Schäfer.
Lena:
Wir haben Alles wohl anders geträumt mit unsern Büchern hinter der
Mauer unsers Gartens, zwischen unsern Myrthen und Oleandern.
Gouvernante:
O die Welt ist abscheulich! An einen irrenden Königssohn ist gar nicht
zu denken.
Lena:
O sie ist schön und so weit, so unendlich weit. Ich möchte immer so fort
gehen Tag und Nacht.
Es rührt sich nichts. Was ein rother Schein über den Wiesen spielt von
den Kukuksblumen und die fernen Berge liegen auf der Erde wie
ruhende Wolken.
Gouvernante:
Du mein Jesus, was wird man sagen? Und doch ist es so zart und
weiblich! Es ist eine Entsagung. Es ist wie die Flucht der heiligen Odilia.
Aber wir müssen ein Obdach suchen. Es wird Abend!
Lena:
Ja die Pflanzen legen ihre Fiederblättchen zum Schlaf zusammen und die
Sonnenstrahlen wiegen sich an den Grashalmen wie müde Libellen.
Zweite Scene
Das Wirthshaus auf einer Anhöhe an einem Fluß, weite Aussicht. Der Garten vor demselben.
Valerio, Leonce.
Valerio:
Nun Prinz, liefern Ihre Hosen nicht ein köstliches Getränk? Laufen Ihnen
Ihre Stiefel nicht mit der größten Leichtigkeit die Kehle hinunter?
Leonce:
Siehst du die alten Bäume, die Hecken, die Blumen? das Alles hat seine
Geschichten, seine lieblichen heimlichen Geschichten. Siehst du die
greisen freundlichen Gesichter unter den Reben an der Hausthür? Wie sie
sitzen und sich bei den Händen halten und Angst haben, daß sie so alt
sind und die Welt noch so jung ist. O Valerio, und ich bin so jung, und
die Welt ist so alt. Ich bekomme manchmal eine Angst um mich und
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von Georg Büchner, Jean-Louis Besson, Jean Jourdheuil
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| | Siehe auch: | |
| Leonce und Lena: Act I Scene 6: Auf dem Kirchhof will ich liegen (Lena, Gouvernante, Leonce, Rosetta, Peter, Kammerdiener, Valerio, Prasident, Chorus) von Berlin Staatskapelle, Eberhard Buchner, Otmar Suitner, Carola Nossek, Reiner Suss, Edda Schaller, Peter Olesch, Joachim Arndt, Berlin Deutsches Staatopera Chorus, Brigitte Eisenfeld Peter Menzel (in MP3-Downloads) | | Georg Büchner - Leonce und Lena von Klaus Maria Brandauer, Rosemarie Fendel, und Romuald Pekny (in Musik) | | Spiegelleuchte Leonce 3 von Trio (in Küche & Haushalt) | | Mauspad mit Ich liebe Leonce Dekoration von SHOPZEUS (in Bürobedarf & Schreibwaren) | | Teddy Bear mit Ich liebe Leonce t-shirt von SHOPZEUS (in Spielzeug) | |
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