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könnte mich in eine Ecke setzen und heiße Thränen weinen aus Mitleid
mit mir.
Valerio:
(gibt ihm ein Glas) Nimm diese Glocke, diese Taucherglocke und senke
dich in das Meer des Weines, daß es Perlen über dir schlägt. Sieh wie die
Elfen über dem Kelch der Weinblume schweben, goldbeschuht, die
Cymbeln schlagend.
Leonce:
(aufspringend) Komm Valerio, wir müssen was treiben, was treiben. Wir
wollen uns mit tiefen Gedanken abgeben; wir wollen untersuchen wie es
kommt, daß der Stuhl auf drei Beinen steht und nicht auf zwei, daß man
sich die Nase mit Hülfe der Hände putzt und nicht wie die Fliegen mit
den Füßen. Komm, wir wollen Ameisen zergliedern, Staubfäden zählen;
ich werde es doch noch zu irgend einer fürstlichen Liebhaberei bringen.
Ich werde doch noch eine Kinderrassel finden, die mir erst aus der Hand
fällt, wenn ich Flocken lese und an der Decke zupfe. Ich habe noch eine
gewisse Dosis Enthusiasmus zu verbrauchen; aber wenn ich Alles recht
warm gekocht habe, so brauche ich eine unendliche Zeit um einen Löffel
zu finden, mit dem ich das Gericht esse und darüber steht es ab.
Valerio:
Ergo bibamus. Diese Flasche ist keine Geliebte, keine Idee, sie macht
keine Geburtsschmerzen, sie wird nicht langweilig, wird nicht treulos, sie
bleibt eins vom ersten Tropfen bis zum letzten. Du brichst das Siegel und
alle Träume, die in ihr schlummern, sprühen dir entgegen.
Leonce:
O Gott! Die Hälfte meines Lebens soll ein Gebet sein, wenn mir nur ein
Strohhalm bescheert wird, auf dem ich reite, wie auf einem prächtigen
Roß, bis ich selbst auf dem Stroh liege. - Welch unheimlicher Abend. Da
unten ist Alles still und da oben wechseln und ziehen die Wolken und der
Sonnenschein geht und kommt wieder. Sieh, was seltsame Gestalten sich
dort jagen, sieh die langen weißen Schatten mit den entsetzlich magern
Beinen und Fledermausschwingen und Alles so rasch, so wirr und da
unten rührt sich kein Blatt, kein Halm. Die Erde hat sich ängstlich
zusammengeschmiegt, wie ein Kind und über ihre Wiege schreiten die
Gespenster.
Valerio:
Ich weiß nicht, was Ihr wollt, mir ist ganz behaglich zu Muth. Die Sonne
sieht aus wie ein Wirthshausschild und die feurigen Wolken darüber, wie
die Aufschrift: Wirthshaus zur goldnen Sonne. Die Erde und das
Wasser da unten sind wie ein Tisch auf dem Wein verschüttet ist und wir
liegen darauf wie Spielkarten, mit denen Gott und der Teufel aus
Langerweile eine Parthie machen und Ihr seid der Kartenkönig und ich
bin ein Kartenbube, es fehlt nur noch eine Dame, eine schöne Dame, mit
einem großen Lebkuchenherz auf der Brust und einer mächtigen Tulpe,
worin die lange Nase sentimental versinkt, (Die Gouvernante und die
Prinzessin treten auf.) und bei Gott da ist sie! Es ist aber eigentlich keine
Tulpe, sondern eine Prise Tabak und es ist eigentlich keine Nase, sonder n
ein Rüssel. (Zur Gouvernante.) Warum schreiten Sie, Wertheste, so eilig,
daß man Ihre weiland Waden bis zu Ihren respectabeln Strumpfbändern
sieht?
Gouvernante:
(heftig erzürnt, bleibt stehen) Warum reißen Sie, Geehrtester, das Maul
so weit auf, daß Sie einem ein Loch in die Aussicht machen?
Valerio:
Damit Sie, Geehrteste, sich die Nase am Horizont nicht blutig stoßen.
Ihre Nase ist wie der Thurm auf Libanon, der gen Damascum steht.
Lena:
(zur Gouvernante) Meine Liebe, ist denn der Weg so lang?
Leonce:
(träumend vor sich hin) O, jeder Weg ist lang! Das Picken der Todtenuhr
in unserer Brust ist langsam und jeder Tropfen Blut mißt seine Zeit und
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