Titel:

Leonce und Lena

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ERSTER ACT O wär’ ich doch ein Narr! Mein Ehrgeiz geht auf eine bunte Jacke. (Wie es Euch gefällt.) Erste Scene Ein Garten Leonce: (halb ruhend auf einer Bank. Der Hofmeister) Mein Herr, was wollen Sie von mir? Mich auf meinen Beruf vorbereiten? Ich habe alle Hände voll zu thun, ich weiß mir vor Arbeit nicht zu helfen. Sehen Sie, erst habe ich auf  den  Stein  hier  dreihundert  fünf  und  sechzig  Mal  hintereinander  zu spucken. Haben Sie das noch nicht probirt? Thun Sie es, es gewährt eine ganz  eigne  Unterhaltung.  Dann  -  sehen  Sie  diese  Hand  voll  Sand?  (Er nimmt Sand auf, wirft ihn in die Höhe und fängt ihn mit dem Rücken der Hand  wieder  auf.)  jetzt  werf’  ich  sie  in  die  Höhe.  Wollen  wir  wetten? Wieviel   Körnchen   hab’   ich   jetzt   auf   dem   Handrücken?   Grad   oder ungrad? Wie? Sie wollen nicht wetten? Sind Sie ein Heide? Glauben Sie an  Gott?  Ich  wette  gewöhnlich  mit  mir  selbst  und  kann  es  tagelang  so treiben.  Wenn  Sie  einen  Menschen  aufzutreiben  wissen,  der  Lust  hätte als mit mir zu wetten, so werden Sie mich sehr verbinden. Dann habe ich nachzudenken,  wie  es  wohl  angehn  mag,  daß  ich  mir  einmal  auf  den Kopf sehe. O wer sich einmal auf den Kopf sehen könnte! Das ist eins von  meinen  Idealen.  Mir  wäre  geholfen.  Und  dann  -  und  dann  noch unendlich  Viel  der  Art.  -  Bin  ich  ein  Müßiggänger?  Habe  ich  keine Beschäftigung? - Ja es ist traurig ... Hofmeister: Sehr traurig, Euer Hoheit. Leonce: Daß die Wolken schon seit drei Wochen von Westen nach Osten ziehen. Es macht mich ganz melancholisch. Hofmeister: Eine sehr gegründete Melancholie. Leonce: Mensch,  warum  widersprechen  Sie  mir  nicht?  Sie  sind  pressirt,  nicht wahr?  Es  ist  mir  leid,  daß  ich  Sie  so  lange  aufgehalten  habe.  (Der Hofmeister  entfernt  sich  mit  einer  tiefen  Verbeugung.)  Mein  Herr,  ich gratulire Ihnen zu der schönen Parenthese, die Ihre Beine machen, wenn Sie sich verbeugen. Leonce: (allein, streckt sich auf der Bank aus) Die Bienen sitzen so träg an den Blumen, und der Sonnenschein liegt so faul auf dem Boden. Es krassirt ein entsetzlicher Müßiggang. - Müßiggang ist aller Laster Anfang. - Was die   Leute   nicht   Alles   aus   Langeweile   treiben!   Sie   studiren   aus Langeweile,  sie  beten  aus  Langeweile,  sie  verlieben,  verheirathen  und vermehren  sich  aus  Langeweile  und  sterben endlich an der Langeweile und   -   und   das   ist   der   Humor   davon   -   Alles   mit   den   wichtigsten Gesichtern,  ohne  zu  merken  warum,  und  meinen  Gott  weiß  was  dabei. Alle diese Helden, diese Genies, diese Dummköpfe, diese Heiligen, diese Sünder,   diese   Familienväter   sind   im   Grunde   nichts   als   raffinirte Müßiggänger. - Warum muß ich es grade wissen? Warum kann ich mir nicht  wichtig  werden  und  der  armen  Puppe  einen  Frack  anziehen  und einen  Regenschirm  in  die  Hand  geben,  daß  sie  sehr  rechtlich  und  sehr 2
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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