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Erster Bedienter:
Sie kommen näher. Sie gehn auf das Schloß zu. Da sind sie.
(Valerio, Leonce, die Gouvernante und die Prinzessin treten maskirt auf.)
Peter:
Wer seid Ihr?
Valerio:
Weiß ichs? (Er nimmt langsam hintereinander mehrere Masken ab.) Bin
ich das? oder das? oder das? Wahrhaftig ich bekomme Angst, ich könnte
mich so ganz auseinanderschälen und -blättern.
Peter:
(verlegen) Aber - aber etwas müßt Ihr dann doch sein?
Valerio:
Wenn Eure Majestät es so befehlen. Aber meine Herren hängen Sie
alsdann die Spiegel herum und verstecken Sie Ihre blanken Knöpfe etwas
und sehen Sie mich nicht so an, daß ich mich in Ihren Augen spiegeln
muß, oder ich weiß wahrhaftig nicht mehr, wer ich eigentlich bin.
Peter:
Der Mensch bringt mich in Confusion, zur Desperation. Ich bin in der
größten Verwirrung.
Valerio:
Aber eigentlich wollte ich einer hohen und geehrten Gesellschaft
verkündigen, daß hiemit die zwei weltberühmten Automaten
angekommen sind und daß ich vielleicht der dritte und merkwürdigste
von beiden bin, wenn ich eigentlich selbst recht wüßte, wer ich wäre,
worüber man übrigens sich nicht wundern dürfte, da ich selbst gar nichts
von dem weiß, was ich rede, ja auch nicht einmal weiß, daß ich es nicht
weiß, so daß es höchst wahrscheinlich ist, daß man mich nur so reden
läßt, und es eigentlich nichts als Walzen und Windschläuche sind, die das
Alles sagen. (Mit schnurrendem Ton.) Sehen Sie hier meine Herren und
Damen, zwei Personen beiderlei Geschlechts, ein Männchen und ein
Weibchen, einen Herrn und eine Dame. Nichts als Kunst und
Mechanismus, nichts als Pappendeckel und Uhrfedern. Jede hat eine
feine, feine Feder von Rubin unter dem Nagel der kleinen Zehe am
rechten Fuß, man drückt ein klein wenig und die Mechanik läuft volle
fünfzig Jahre. Diese Personen sind so vollkommen gearbeitet, daß man
sie von andern Menschen gar nicht unterscheiden könnte, wenn man
nicht wüßte, daß sie bloße Pappdeckel sind; man könnte sie eigentlich zu
Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft machen. Sie sind sehr edel,
denn sie sprechen hochdeutsch. Sie sind sehr moralisch, denn sie stehen
auf den Glockenschlag auf, essen auf den Glockenschlag zu Mittag und
gehen auf den Glockenschlag zu Bett, auch haben sie eine gute
Verdauung, was beweist, daß sie ein gutes Gewissen haben. Sie haben
ein feines sittliches Gefühl, denn die Dame hat gar kein Wort für den
Begriff Beinkleider, und dem Herrn ist es rein unmöglich, hinter einem
Frauenzimmer eine Treppe hinauf- oder vor ihm hinunterzugehen. Sie
sind sehr gebildet, denn die Dame singt alle neuen Opern und der Herr
trägt Manschetten. Geben Sie Acht, meine Herren und Damen, sie sind
jetzt in einem interessanten Stadium, der Mechanismus der Liebe fängt
an sich zu äußern, der Herr hat der Dame schon einige Mal den Shawl
getragen, die Dame hat schon einige Mal die Augen verdreht und gen
Himmel geblickt. Beide haben schon mehrmals geflüstert: Glaube, Liebe,
Hoffnung! beide sehen bereits ganz accordirt aus, es fehlt nur noch das
winzige Wörtchen: Amen.
Peter:
(den Finger an die Nase legend) In effigie? in effigie? Präsident, wenn
man einen Menschen in effigie hängen läßt, ist das nicht eben so gut, als
wenn er ordentlich gehängt würde?
Präsident:
Verzeihen, Eure Majestät, es ist noch viel besser, denn es geschieht ihm
kein Leid dabei, und er wird dennoch gehängt.
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