| |
Peter:
Jetzt hab ichs. Wir feiern die Hochzeit in effigie. (Auf Leonce und Lena
deutend.) Das ist der Prinz, das ist die Prinzessin. Ich werde meinen
Beschluß durchsetzen, ich werde mich freuen. Laßt die Glocken läuten,
macht eure Glückwünsche zurecht, hurtig Herr Hofprediger!
(Der Hofprediger tritt vor, räuspert sich, blickt einige Mal gen Himmel.)
Valerio:
Fang an! Laß deine vermaledeiten Gesichter und fang an! Wohlauf!
Hofprediger:
(in der größten Verwirrung) Wenn wir - oder - aber -
Valerio:
Sintemal und alldieweil -
Hofprediger:
Denn -
Valerio:
Es war vor Erschaffung der Welt
Hofprediger:
Daß -
Valerio:
Gott lange Weile hatte -
Peter:
Machen Sie es nur kurz, Bester.
Hofprediger:
(sich fassend) Geruhen Eure Hoheit Prinz Leonce vom Reiche Popo und
geruhen Eure Hoheit Prinzessin Lena vom Reiche Pipi, und geruhen Eure
Hoheiten gegenseitig sich beiderseitig einander zu wollen, so sagen Sie
ein lautes und vernehmliches Ja.
Lena und Leonce:
Ja.
Hofprediger:
So sage ich Amen.
Valerio:
Gut gemacht, kurz und bündig; so wäre denn das Männlein und das
Fräulein erschaffen und alle Thiere des Paradieses stehen um sie.
(Leonce nimmt die Maske ab.)
Alle:
Der Prinz!
Peter:
Der Prinz! Mein Sohn! Ich bin verloren, ich bin betrogen! (Er geht auf
die Prinzessin los.) Wer ist die Person? Ich lasse Alles für ungültig
erklären.
Gouvernante:
(nimmt der Prinzessin die Maske ab, triumphirend) Die Prinzessin!
Leonce:
Lena?
Lena:
Leonce?
Leonce:
Ei Lena, ich glaube das war die Flucht in das Paradies. Ich bin betrogen.
Lena:
Ich bin betrogen.
Leonce:
O Zufall!
Lena:
O Vorsehung!
Valerio:
Ich muß lachen, ich muß lachen. Eure Hoheiten sind wahrhaftig durch
den Zufall einander zugefallen; ich hoffe Sie werden, dem Zufall zu
Gefallen, Gefallen aneinander finden.
Gouvernante:
Daß meine alten Augen das sehen konnten! Ein irrender Königssohn!
Jetzt sterb ich ruhig.
Peter:
Meine Kinder ich bin gerührt, ich weiß mich vor Rührung kaum zu
lassen. Ich hin der glücklichste Mann! Ich lege aber auch hiermit
feierlichst die Regierung in deine Hände, mein Sohn, und werde sogleich
ungestört jetzt bloß nur noch zu denken anfangen. Mein Sohn, du
überlässest mir diese Weisen (Er deutet auf den Staatsrath), damit sie
mich in meinen Bemühungen unterstützen. Kommen Sie meine Herren,
wir müssen denken, ungestört denken. (Er entfernt sich mit dem
Staatsrath.) Der Mensch hat mich vorhin confus gemacht, ich muß mir
wieder heraushelfen.
Leonce:
(zu den Anwesenden) Meine Herren, meine Gemahlin und ich bedauern
unendlich, daß Sie uns heute so lange zu Diensten gestanden sind. Ihre
Stellung ist so traurig, daß wir um keinen Preis Ihre Standhaftigkeit
länger auf die Probe stellen möchten. Gehn Sie jetzt nach Hause, aber
vergessen Sie Ihre Reden, Predigten und Verse nicht, denn morgen
22
|  |
|
| |
|
|