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versteht mich doch? Ein Drittes gibt es nicht. Der Mensch muß denken.
(Steht eine Zeit lang sinnend.) Wenn ich so laut rede, so weiß ich nicht
wer es eigentlich ist, ich oder ein Anderer, das ängstigt mich. (Nach
langem Besinnen.) Ich bin ich. Was halten Sie davon, Präsident?
Präsident:
(gravitätisch langsam) Eure Majestät, vielleicht ist es so, vielleicht ist es
aber auch nicht so.
Der ganze Staatsrath:
(im Chor) Ja, vielleicht ist es so, vielleicht ist es aber auch nicht so.
Peter:
(mit Rührung) O meine Weisen! - Also von was war eigentlich die Rede?
Von was wollte ich sprechen? Präsident, was haben Sie ein so kurzes
Gedächtniß bei einer so feierlichen Gelegenheit? Die Sitzung ist
aufgehoben. (Er entfernt sich feierlich, der ganze Staatsrath folgt ihm.)
Dritte Scene
Ein reichgeschmückter Saal, Kerzen brennen. Leonce mit einigen Dienern.
Leonce:
Sind alle Läden geschlossen? Zündet die Kerzen an! Weg mit dem Tag!
Ich will Nacht, tiefe ambrosische Nacht. Stellt die Lampen unter
Krystallglocken zwischen die Oleander, daß sie wie Mädchenaugen un ter
den Wimpern der Blätter hervorträumen. Rückt die Rosen näher, daß der
Wein wie Thautropfen auf die Kelche sprudle. Musik! Wo sind die
Violinen? Wo ist die Rosetta? Fort! Alle hinaus! (Die Diener gehen ab.)
(Leonce streckt sich auf ein Ruhebett. Rosetta zierlich gekleidet, tritt ein.
Man hört Musik aus der Ferne.)
Rosetta:
(nähert sich schmeichelnd) Leonce!
Leonce:
Rosetta!
Rosetta:
Leonce!
Leonce:
Rosetta!
Rosetta:
Deine Lippen sind träg. Vom Küssen?
Leonce:
Vom Gähnen!
Rosetta:
Oh!
Leonce:
Ach Rosetta, ich habe die entsetzliche Arbeit...
Rosetta:
Nun?
Leonce:
Nichts zu thun ...
Rosetta:
Als zu lieben?
Leonce:
Freilich Arbeit!
Rosetta:
(beleidigt) Leonce!
Leonce:
Oder Beschäftigung.
Rosetta:
Oder Müßiggang.
Leonce:
Du hast Recht wie immer. Du bist ein kluges Mädchen, und ich halte viel
auf deinen Scharfsinn.
Rosetta:
So liebst du mich aus Langeweile?
Leonce:
Nein, ich habe Langeweile, weil ich dich liebe. Aber ich liebe meine
Langeweile wie dich. Ihr seid eins. O dolce far niente, ich träume über
deinen Augen, wie an wunderheimlichen tiefen Quellen, das Kosen
deiner Lippen schläfert mich ein, wie Wellenrauschen. (Er umfaßt sie.)
Komm liebe Langeweile, deine Küsse sind ein wollüstiges Gähnen, und
deine Schritte sind ein zierlicher Hiatus.
Rosetta:
Du liebst mich, Leonce?
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