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Leonce:
Ei warum nicht?
Rosetta:
Und immer?
Leonce:
Das ist ein langes Wort: immer! Wenn ich dich nun noch fünftausend
Jahre und sieben Monate liebe, ists genug? Es ist zwar viel weniger, als
immer, ist aber doch eine erkleckliche Zeit, und wir können uns Zeit
nehmen, uns zu lieben.
Rosetta:
Oder die Zeit kann uns das Lieben nehmen.
Leonce:
Oder das Lieben uns die Zeit. Tanze, Rosetta, tanze, daß die Zeit mit dem
Takt deiner niedlichen Füße geht!
Rosetta:
Meine Füße gingen lieber aus der Zeit. (Sie tanzt und singt.)
O meine müden Füße, ihr müßt tanzen
In bunten Schuhen,
Und möchtet lieber tief, tief
Im Boden ruhen.
O meine heißen Wangen, ihr müßt glühen
Im wilden Kosen,
Und möchtet lieber blühen
Zwei weiße Rosen.
O meine armen Augen, ihr müßt blitzen
Im Strahl der Kerzen,
Und lieber schlieft ihr aus im Dunkeln
Von euren Schmerzen.
Leonce:
(indeß träumend vor sich hin) O, eine sterbende Liebe ist schöner, als
eine werdende. Ich bin ein Römer; bei dem köstlichen Mahle spielen zum
Dessert die goldnen Fische in ihren Todesfarben. Wie ihr das Roth von
den Wangen stirbt, wie still das Auge ausglüht, wie leis das Wogen ihrer
Glieder steigt und fällt! Adio, adio meine Liebe, ich will deine Leiche
lieben. (Rosetta nähert sich ihm wieder.) Thränen, Rosetta? Ein feiner
Epikuräismus - weinen zu können. Stelle dich in die Sonne, daß die
köstlichen Tropfen krystallisiren, es muß prächtige Diamanten geben. Du
kannst dir ein Halsband daraus machen lassen.
Rosetta:
Wohl Diamanten, sie schneiden mir in die Augen. Ach Leonce! (Will ihn
umfassen.)
Leonce:
Gib Acht! Mein Kopf! Ich habe unsere Liebe darin beigesetzt. Sieh zu
den Fenstern meiner Augen hinein. Siehst du, wie schön todt das arme
Ding ist? Siehst du die zwei weißen Rosen auf seinen Wangen und die
zwei rothen auf seiner Brust? Stoß mich nicht, daß ihm kein Aermchen
abbricht, es wäre Schade. Ich muß meinen Kopf gerade auf den Schultern
tragen, wie die Todtenfrau einen Kindersarg.
Rosetta:
(scherzend) Narr!
Leonce:
Rosetta. (Rosetta macht ihm eine Fratze.) Gott sei Dank! (Hält sich die
Augen zu.)
Rosetta:
(erschrocken) Leonce, sieh mich an.
Leonce:
Um keinen Preis!
Rosetta:
Nur einen Blick!
Leonce:
Keinen! Weinst du? Um ein klein wenig, und meine liebe Liebe käme
wieder auf die Welt. Ich bin froh, daß ich sie begraben habe. Ich behalte
den Eindruck.
Rosetta:
(entfernt sich traurig und langsam, sie singt im Abgehn)
Ich bin eine arme Waise,
Ich fürchte mich ganz allein.
Ach liebet Gram -
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