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Präsident:
An dem Tage der Vermählung ist ein höchster Wille gesonnen, seine
allerhöchsten Willensäußerungen in die Hände Eurer Hoheit
niederzulegen.
Leonce:
Sagen Sie einem höchsten Willen, daß ich Alles thun werde, das
ausgenommen, was ich werde bleiben lassen, was aber jedenfalls nicht so
viel sein wird, als wenn es noch einmal so viel wäre. - Meine Herren, Sie
entschuldigen, daß ich Sie nicht begleite, ich habe gerade die Passion zu
sitzen, aber meine Gnade ist so groß, daß ich sie ja mit den Beinen doch
nicht ausmessen kann. (Er spreizt die Beine auseinander.) Herr Präsident,
nehmen Sie doch das Maaß, damit Sie mich später daran erinnern.
Valerio gieb den Herren das Geleite.
Valerio:
Das Geläute? Soll ich dem Herrn Präsidenten eine Schelle anhängen?
Soll ich sie führen, als ob sie auf allen Vieren gingen?
Leonce:
Mensch, du bist nichts als ein schlechtes Wortspiel. Du hast weder Vater
noch Mutter, sondern die fünf Vokale haben dich miteinander erzeugt.
Valerio:
Und Sie Prinz, sind ein Buch ohne Buchstaben, mit nichts als
Gedankenstrichen. Kommen Sie jetzt meine Herren! Es ist eine traurige
Sache um das Wort kommen, will man ein Einkommen, so muß man
stehlen, an ein Aufkommen ist nicht zu denken, als wenn man sich
hängen läßt, ein Unterkommen findet man erst, wenn man begraben wird,
und ein Auskommen hat man jeden Augenblick mit seinem Witz, wenn
man nichts mehr zu sagen weiß, wie ich zum Beispiel eben, und Sie, ehe
Sie noch etwas gesagt haben. Ihr Abkommen haben Sie gefunden und Ihr
Fortkommen werden Sie jetzt zu suchen ersucht. (Staatsrath und Valerio
ab.)
Leonce:
(allein) Wie gemein ich mich zum Ritter an den armen Teufeln gemacht
habe! Es steckt nun aber doch einmal ein gewisser Genuß in einer
gewissen Gemeinheit. Hm! Heirathen! Das heißt einen Ziehbrunnen leer
trinken. O Shandy, alter Shandy, wer mir deine Uhr schenkte! (Valerio
kommt zurück.) Ach Valerio, hast du es gehört?
Valerio:
Nun Sie sollen König werden, das ist eine lustige Sache. Man kann den
ganzen Tag spazieren fahren und den Leuten die Hüte verderben durch s
viele Abziehen, man kann aus ordentlichen Menschen ordentliche
Soldaten ausschneiden, so daß Alles ganz natürlich wird, man kann
schwarze Fräcke und weiße Halsbinden zu Staatsdienern machen, und
wenn man stirbt, so laufen alle blanken Knöpfe blau an und die
Glockenstricke reißen wie Zwirnsfäden vom vielen Läuten. Ist das nicht
unterhaltend?
Leonce:
Valerio! Valerio! Wir müssen was Anderes treiben. Rathe!
Valerio:
Ach die Wissenschaft, die Wissenschaft! Wir wollen Gelehrte werden! a
priori? oder a posteriori?
Leonce:
a priori, das muß man bei meinem Herrn Vater lernen; und a posteriori
fängt Alles an, wie ein altes Mährchen: es war einmal!
Valerio:
So wollen wir Helden werden. (Er marschirt trompetend und trommelnd
auf und ab.) Trom - trom - pläre - plem!
Leonce:
Aber der Heroismus fuselt abscheulich und bekommt das Lazarethfieber
und kann ohne Lieutenants und Rekruten nicht bestehen. Pack dich mit
deiner Alexanders- und Napoleonsromantik!
Valerio:
So wollen wir Genies werden.
Leonce:
Die Nachtigall der Poesie schlägt den ganzen Tag über unserm Haupt,
aber das Feinste geht zum Teufel, bis wir ihr die Federn ausreißen und in
die Tinte oder die Farbe tauchen.
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